Nachhaltige Transformation im Tourismus
Unternehmen können durch erneuerbare Energien, digitale Lösungen und nachhaltige Ernährungskonzepte ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren.

In der Hotellerie rücken Themen wie Energieeffizienz, Personalentwicklung und verantwortungsvolle Unternehmensführung zunehmend in den Vordergrund, angestoßen durch steigende Kosten, veränderte Gästebedürfnisse sowie neue Anforderungen in Geschäftsbeziehungen. Viele dieser Entwicklungen haben unmittelbar mit Nachhaltigkeit zu tun. Auch wenn es dahingehend noch wenige regulatorische Vorgaben gibt, macht es für Hotels in vielerlei Hinsicht Sinn, sich mit Nachhaltigkeit und Messbarkeit auseinanderzusetzen. Die Gründe dafür zeigt Katharina Schöche, Tourismusexpertin bei der BTV, im Gespräch auf.
Nachhaltigkeit ist längst kein „Nice-to-have“ mehr. Hotels spüren steigende Energiekosten, strenger werdende Regulatorik und veränderte Gästebedürfnisse. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen von Investor*innen, Banken und Geschäftspartner*innen an Transparenz und nachvollziehbare Informationen zum nachhaltigen Wirtschaften. Der ESG-Ansatz fokussiert drei Bereiche, die durch Kennzahlen bzw. KPIs (Key Performance Indicators) messbar werden: Umwelt (E), Soziales (S) und Unternehmensführung (G). Durch diese Einteilung entsteht ein klarer Rahmen, der Betrieben hilft zu verstehen, wo sie stehen und wie sie sich entwickeln. Auch für Hotels wird es immer wichtiger zu wissen, wie sie beim Einsatz von Ressourcen, im Umgang mit Mitarbeitenden oder in ihren Führungsstrukturen aufgestellt sind.
Genau das hören wir sehr oft und es stimmt auch. Die meisten Häuser setzen längst regionale Produkte ein, sparen Energie oder investieren viel in ihre Mitarbeitenden. Das Problem ist weniger das Tun als das fehlende Messen. Denn ohne Kennzahlen lässt sich weder intern noch extern sichtbar machen, welche Fortschritte ein Hotel bereits erzielt hat oder wo es noch Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Vergleichbarkeit, Nachweis für Förderstellen, Grundlage für Bankengespräche und auch fundierte Kommunikation gegenüber Gästen fehlen. Viele der relevanten Kennzahlen existieren bereits in Rechnungen und Zählerständen, sie müssen jedoch strukturiert aufbereitet werden.
Sie zeigen, wie effizient ein Hotel tatsächlich ist, wo Ressourcen verschwendet werden und welche Stärken bereits bestehen. Für Hotels bedeutet das: geringere Kosten, bessere Positionierung am Markt, höhere Arbeitgeberattraktivität und ein professioneller Auftritt gegenüber Banken und Investor*innen.
Weil sie regulatorisch dazu verpflichtet ist, ESG-Kennzahlen aufzunehmen, um Risiken und Chancen besser bewerten zu können. Gleichzeitig helfen diese Daten einzuschätzen, wie zukunfts- und krisenfest ein Betrieb aufgestellt ist, etwa im Hinblick auf Energieeffizienz oder Mitarbeiterentwicklung. Am Ende profitieren auch die Unternehmen selbst, denn gute ESG‑Werte eröffnen oft die Möglichkeit von Förderungen.
Aufgrund ihrer Größe fallen viele Hotels nicht direkt unter die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive). Dennoch werden sie indirekt durch Banken, Reiseveranstalter oder Großkund*innen mit ESG-Anforderungen konfrontiert. Das bedeutet: Andere Akteure, die berichtspflichtig sind, benötigen ESG-Daten von Hotels und geben diese Anforderungen weiter.
Veränderungen könnte jedoch die Empowering Consumers Directive (EmpCo) der EU mit sich bringen. Ab 27. September 2026 wird strenger geregelt, welche Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen Unternehmen tätigen dürfen. Der Verbraucherschutz wird gestärkt, indem irreführende Umweltwerbung, unklare Nachhaltigkeitslabels sowie unbelegte Aussagen zu Haltbarkeit oder Reparierbarkeit ausdrücklich als unzulässige Geschäftspraktiken definiert werden. Das macht fundierte Daten sowie eine transparente Kommunikation zwingend erforderlich. Wer sich früh darauf vorbereitet, schützt sich vor Risiken und gewinnt an Glaubwürdigkeit.
Eine freiwillige Berichterstattung schafft erstmals Klarheit darüber, wie ein Betrieb aufgestellt ist. Das kann unmittelbar zu geringeren Kosten führen, etwa durch effizienteren Ressourceneinsatz oder verbesserte Abläufe in Technik und Verwaltung.
Darüber hinaus stärkt eine frühe, freiwillige ESG-Berichterstattung die Position eines Hotels im Wettbewerb. Unternehmen, die diese Informationen liefern können, wirken professioneller, glaubwürdiger und heben sich positiv vom Markt ab. Gäste wollen keine wiederkehrenden Marketingfloskeln, sondern nachvollziehbare Fakten. Transparente Kennzahlen schaffen Vertrauen, und dies sorgt letztlich für eine Buchungsentscheidung. Hotels können ihre ESG-Daten auch nutzen, um Zertifizierungen zu erhalten, die immer stärker nachgefragt werden. Das kann sowohl die Gästebindung als auch die Attraktivität als Arbeitgeber steigern – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Vorteil.
„Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor, wenn sie messbar wird.“
Banken und Förderstellen benötigen ESG-Daten, um Risiken zu bewerten und gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Betriebe, die hier vorbereitet sind, haben bessere Chancen auf Finanzierungen und profitieren von gezielten Förderprogrammen, die nachhaltige Investitionen unterstützen. ESG-Daten werden damit zu einem wichtigen Türöffner für zukünftige Investitionen – und letztlich auch zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftssicherheit der Hotels. Das regulatorische Umfeld entwickelt sich dynamisch und die Nachfrage nach verlässlichen ESG-Informationen wird weiter steigen, auch ohne unmittelbare Berichtspflicht.
Indem man nicht mit Perfektion startet, sondern mit den Daten, die bereits vorhanden sind. Dazu zählen Strom-, Heizkosten-, Wasserrechnungen oder Personalunterlagen. So kann zum Beispiel mit der Erhebung einiger weniger KPIs begonnen werden, etwa dem Energieverbrauch pro Nächtigung oder dem Wasserverbrauch pro Gast. Anhand dieser Basis kann eine erste Bestandsaufnahme durchgeführt werden. Danach folgen die Festlegung von Zielen und die Umsetzung ausgewählter Maßnahmen, die im Hotelbetrieb schnell Wirkung zeigen können.
Die Einführung einer strukturierten ESG-Berichterstattung ist kein Selbstläufer. Sie erfordert Zeit, Ressourcen und gewisse Umstellungen im Betrieb. Besonders zu Beginn bedeutet es, Daten zusammenzutragen, Verantwortlichkeiten zu klären und Prozesse neu zu denken. Diese Realität sollte man nicht kleinreden – und viele Hotels empfinden den ersten Schritt deshalb als besonders groß. Gleichzeitig lohnt sich dieser Aufwand. Viele Betriebe stellen bereits nach kurzer Zeit fest, dass sich durch die systematische Datenerhebung konkrete Verbesserungsmöglichkeiten ergeben – etwa beim Energieverbrauch, beim Wasser- und Abfallmanagement oder in der Organisation interner Abläufe. Oft lassen sich dadurch Kosten senken, Prozesse vereinfachen oder Ressourcen gezielter einsetzen.
Eine Möglichkeit sind Standards wie der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for nonlisted SMEs). Dieses niederschwellige, praxisorientierte Einstiegsmodell wurde speziell für kleinere und mittlere Unternehmen entwickelt und arbeitet mit wenigen Kernkennzahlen. Es ermöglicht es, Schritt für Schritt in das Thema hineinzuwachsen, ohne den Betrieb zu überfordern.
Wir begleiten unsere Kund*innen aktiv mit Expertise, der Bewertung von ESG-Daten und passenden Finanzierungsinstrumenten für nachhaltige Investitionen. Unser Ziel ist es, Hotels nicht nur zu finanzieren, sondern ihnen Orientierung zu bieten und gemeinsam die Zukunftsfähigkeit des Betriebs abzusichern. Als Bank sehen wir ESG als Chance, die Branche resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen. Das bedeutet, die Abhängigkeit von volatilen fossilen Energiequellen gezielt zu reduzieren und den Betrieb so aufzustellen, dass er auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten stabiler und handlungsfähiger bleibt.
Nicht vom Umfang der Thematik abschrecken lassen. Starten, erste Daten sammeln, kleine Erfolge sichtbar machen und sich dann Schritt für Schritt weiterentwickeln. ESG ist keine Prüfung, sondern ein Prozess, der Betriebe effizienter, attraktiver und zukunftssicher macht. Hoteliers sollten die vorhandenen Daten nutzen, erste KPIs erheben und mit ihren Partner*innen – wie uns als Bank – über die nächsten Schritte sprechen. Die BTV bietet hier auch ein eigenes Sparring zum Start an. Nachhaltigkeit wird einer der entscheidenden Wettbewerbsfaktoren der kommenden Jahre.
Marketing-/Werbemitteilung der BTV Vier Länder Bank AG. Die Beiträge in dieser Publikation dienen lediglich der Information. Die BTV prüft ihr Informationsangebot sorgfältig. Dennoch bitten wir um Verständnis, dass wir diese Informationen ohne Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit zur Verfügung stellen. Beachten Sie bitte, dass Einschätzungen und Bewertungen die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt der Erstellung bzw. der Ausarbeitung reflektieren und für die Richtigkeit und den Eintritt eines bestimmten Erfolges keine Gewähr übernommen wird.