In den BTV Kapitalmarkt-Insights gab Robert Wiesner, Leiter des BTV Asset Managements, am 4. Dezember 2025 einen Konjunktur- sowie Kapitalmarktausblick und sprach darüber hinaus über die Anlagestrategie in den BTV Asset Management Mandaten. Im aktuellen Umfeld kristallisieren sich vier Themen heraus, die in unserem Online-Event im Fokus standen:
Konjunktur: Nicht zu warm und nicht zu kalt
In der BTV gehen wir auch in 2026 von einer robusten Konjunkturentwicklung aus. Wir sehen demnach keine Rezession, aber auch keine Überhitzung. Zu Beginn dieses Jahres waren die Konjunkturerwartungen schwach, Sorgen vor einer deutlichen Wachstumsabschwächung aufgrund der angekündigten US-Importzölle belasteten den Ausblick. Im Laufe des Jahres konnten durch bilaterale Einigungen im US-Handelskonflikt Unsicherheiten reduziert werden. Die Weltwirtschaft entwickelte sich besser als erwartet, Unternehmensgewinne konnten weiterhin ansteigen und auch der private Konsum lieferte positive Beiträge zum Wirtschaftswachstum. Im nächsten Jahr dürfte sich das robuste Wachstum so fortsetzen. Zusätzliche Unterstützung wird durch eine expansive Geldpolitik in den USA sowie durch expansive fiskalpolitische Maßnahmen in den USA und der Eurozone erwartet. Hier sind insbesondere die geplanten Investitionspakete in Verteidigung und Infrastruktur in Deutschland zu erwähnen. Ein Konjunkturrisiko bleibt weiterhin eine deutliche Abschwächung des US-Arbeitsmarktes, was zu abnehmenden Konsumausgaben führen würde. Das Risiko einer stärker ansteigenden US-Inflation sehen wir als begrenzt an. Ein etwas schwächeres Wirtschaftswachstum, abnehmende Inflationsraten aus dem Dienstleistungssektor sowie ein schwächerer Arbeitsmarkt sprechen für konstante US-Inflationsraten.
Zinsen: Rückenwind durch Notenbanken
Moderate, nicht weiter steigende Inflationsraten erhöhen den Handlungsspielraum der Notenbanken. Die EZB dürfte den Leitzins bei 2 % belassen und von der Fed erwarten Marktteilnehmer*innen zwei bis drei weitere Zinssenkungen in 2026. Tiefere Leitzinsen unterstützen die Wirtschaftsleistung, da Finanzierungskosten sinken und Investitionen leichter umsetzbar werden. Die längerfristigen Renditen an den Staatsanleihemärkten sollten stabil bleiben. Renditeanstiege durch eine höhere Staatsverschuldung und geplanten Fiskalpaketen werden sich laut BTV Einschätzung in Grenzen halten. Insgesamt dürften Anleihen eine attraktive Anlageklasse bleiben, für 2026 erwarten wir in den AM-Mandaten eine durchschnittliche Rendite von ca. 3,5 %. Das Niedrigzinsumfeld vor der Coronavirus-Krise haben wir daher hinter uns gelassen.
Aktienmarkt: Bubble oder Boom?
Unser Aktienausblick ist für 2026 weiterhin positiv. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken, eine robuste Konjunkturentwicklung und die Erwartung weiter steigender Unternehmensgewinne rechtfertigen diese Einschätzung. Die aktuelle Aktienmarktbewertung ist laut Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwar leicht über dem historischen Durchschnitt, gilt aber aufgrund der guten Entwicklung der Unternehmensgewinne bzw. aufgrund der anhaltend guten Erwartungen für das nächste Jahr als gerechtfertigt. Wichtig ist für 2026, dass Unternehmen die Gewinnerwartungen auch tatsächlich erfüllen, ansonsten kann es zu Kursrücksetzern kommen. Auffällig ist, dass der US-Tech-Sektor eine höhere Bewertung aufweist, dennoch sehen wir in der BTV noch keine Blase in diesem Segment, da das aktuelle KGV deutlich unter den Niveaus der DotCom-Blase in den frühen 2000 Jahren liegt. Dies lässt sich mit dem außergewöhnlich hohen Gewinnwachstum der großkapitalisierten US-Tech-Konzerne begründen. Dass Investitionen von den Unternehmen größtenteils selbsttragend finanziert werden können, ist ebenfalls ein Unterschied zur Dotcom-Blase und gilt als Argument gegen die Blasenbildung. Das Growth-Segment, zu dem der Tech-Sektor gehört, ist damit 2025 sehr gut gelaufen und auch für 2026 werden weitere Kurszuwächse erwartet, wenn auch nicht im diesjährigen Ausmaß. Qualitätsunternehmen wurden laut BTV Einschätzung allerdings zu Unrecht abgestraft. In der langen Frist konnten Qualitätsunternehmen überzeugen, die Underperformance in 2025 gilt damit als übertrieben und es wird eine Erholungsbewegung erwartet.
Diversifikation: Was sorgt für zusätzliche Stabilität im Portfolio?
Trotz des guten Konjunktur- und Unternehmensausblicks ist Diversifikation im Portfolio sehr wichtig. Bestehende Risikofaktoren wie die US-Handelspolitik, der Konflikt zwischen USA und China oder auch der unklare Verhandlungsverlauf mit Russland können zu Kursrücksetzern und erhöhter Volatilität an den Märkten führen. Im Aktiensegment sind wir daher regional und sektoral breit aufgestellt. In den Schwellenländern sehen wir Potenzial und beurteilen die günstige Bewertung als guten Einstiegszeitpunkt. Europäische Aktien dürften im nächsten Jahr ebenfalls von steigenden Unternehmensgewinnen und expansiven fiskalpolitischen Maßnahmen profitieren. Zusätzliche Stabilität liefert die Anlageklasse „Alternative Investments“, die beständige Erträge bei geringer Volatilität generiert. Im Rohstoffsegment bleibt Gold weiterhin ein wichtiger Portfoliobestandteil. Eine hohe Nachfrage durch Zentralbanken und private sowie institutionelle Investor*innen dürfte den Preis 2026 weiter ansteigen lassen.