Die strategische Rolle von Gold im Portfolio
Gold behauptet seit Langem seine Rolle als stabiler Wert in unsicheren Zeiten. Als begrenzter Rohstoff dient es als Inflationsschutz und Diversifikationsbaustein.

Der Nahost-Konflikt zeigt mit einem zweiwöchigen Waffenstillstand eine erste Entspannung, die Lage bleibt jedoch fragil. Entscheidend für Märkte und Weltwirtschaft ist weiterhin die Entwicklung rund um die Straße von Hormus und deren Bedeutung für das globale Ölangebot. Im aktuellen BTV Marktflash lesen Sie unsere Einschätzung der Auswirkungen auf Konjunktur und Finanzmärkte.
Die vergangenen Tage brachten im Nahost-Konflikt eine vorsichtige Entspannung, nachdem die USA, Israel und der Iran am vergangenen Mittwoch eine zweiwöchige Waffenruhe verkündet haben. In dieser Phase sollen Gespräche über eine dauerhafte politische Lösung geführt werden. Die Lage bleibt jedoch äußerst fragil. Bereits kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause kam es zu neuen Drohungen und Zwischenfällen, was die Unsicherheit an den Märkten hochhält. Die am Wochenende in Islamabad geführten Gespräche zwischen den USA und dem Iran endeten ohne konkretes Ergebnis. Dennoch wird inzwischen von möglichen weiteren Verhandlungsrunden gesprochen. Auch aus Washington kommen Signale, dass der diplomatische Austausch fortgesetzt werden könnte. Parallel dazu bleibt die Situation rund um die Straße von Hormus angespannt. Trotz der Waffenruhe ist der Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutende Meerenge weiterhin stark eingeschränkt, da bislang nur wenige Tanker die Passage tatsächlich passiert haben. Für zusätzliche Belastung sorgt die Entscheidung der USA, den Verkehr von und zu iranischen Häfen zu blockieren, um Irans Ölexporte zu unterbinden und den politischen Druck zu erhöhen. Diese Blockade ist bereits am Montag in Kraft getreten. Damit bleibt das Risiko neuer Zwischenfälle hoch und eine nachhaltige Stabilisierung der Region vorerst unsicher.
Für den Ölmarkt bleibt die Lage rund um den Persischen Golf von zentraler Bedeutung. Die Aussicht auf mögliche weitere Verhandlungen sorgte zuletzt für Entlastung, wodurch Rohöl der Nordseesorte Brent deutlich nachgab und der Preis für ein Barrel unter die Marke von 100 US-Dollar fiel. Zusätzliche Unterstützung kam aus Saudi-Arabien mit der Meldung, dass die volle Förderkapazität der strategisch wichtigen Ost-West-Pipeline wiederhergestellt wurde. Diese Pipeline gilt als zentrale Alternative zur Straße von Hormus, da sie den Öltransport vom Persischen Golf zum Roten Meer ermöglicht und damit die Abhängigkeit von der Meerenge reduziert.
Mit Transportkapazitäten von rund sieben Millionen Barrel pro Tag steht damit wieder ein wichtiger Versorgungspuffer zur Verfügung. Über die Ost-West-Pipeline kann damit rund ein Drittel der üblicherweise durch die Straße von Hormus transportierten Ölmengen umgeleitet werden, was die Abhängigkeit von der Meerenge deutlich reduziert, nachdem die Infrastruktur im Zuge des Konflikts vorübergehend beeinträchtigt war.
Stabilisiert wird der Markt zudem durch strategische Ölreserven, die voraussichtlich noch bis Ende Mai ausreichen. Eine Öffnung der Straße von Hormus würde den Ölmarkt kurzfristig weiter entlasten und tendenziell zu niedrigeren Preisen führen. Gleichzeitig dürfte aber eine gewisse Risikoprämie bestehen bleiben, sodass sich der Ölpreis auch bei einer Entspannung auf einem höheren Niveau einpendeln dürfte als vor Beginn des Konflikts.
Aufgrund der erhöhten Energiepreise hat auch der Preisdruck zugenommen. Ein Beispiel hierfür ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent, das seit Jahresanfang um über 60 % auf zwischenzeitlich ca. 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist. Die Inflation fiel im Monat März für die USA und die Eurozone mit 3,3 % bzw. 2,5 % spürbar höher als im Februar aus. Die Stimmung unter Unternehmer*innen und Verbraucher*innen hat sich verschlechtert und die Wachstumsprognosen großer Institute wurden nach unten revidiert. Im März wies der Großteil der globalen Aktienmärkte eine negative Performance auf. Die Volatilität ist nach wie vor erhöht und die Kursbewegungen stark von den Entwicklungen im Nahen Osten getrieben. Die Erwartungen an die Notenbanken zeigten sich zuletzt ebenfalls stark schwankungsanfällig. Im Kampf gegen die Inflation werden tendenziell weniger Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed sowie mehr Zinsanhebungen durch die EZB erwartet. Daher sind auch die Renditen über die gesamte Laufzeit der EUR- und US-Zinskurve angestiegen und die Risikoaufschläge in den riskanteren Anleihesegmenten haben zugenommen. Durch den jüngsten Waffenstillstand kam es zu einer gewissen Gegenbewegung. Während der US-Dollar als „sicherer Hafen“ nachgefragt wird, litt Gold aufgrund des Liquiditätsbedarfs unter Verkäufen.
Im aktuellen Umfeld sehen wir zwei mögliche Entwicklungen des Konfliktes.
In turbulenten Zeiten wie diesen ist ein breit aufgestelltes Portfolio wichtiger denn je. Aus diesem Grund sind wir in den BTV Asset Management Mandaten nicht nur zwischen den Anlageklassen Aktien, Anleihen und Alternativen, sondern auch innerhalb der Anlageklassen diversifiziert.
In Aktien sind wir in den BTV Asset Management Mandaten aktuell strategisch allokiert. Militärische Konflikte sind schwer zu prognostizieren und haben auch in der Vergangenheit immer wieder für stärkere Rücksetzer gesorgt. In vielen Fällen waren diese jedoch zeitlich beschränkt und es folgte eine Erholungsbewegung. Die strategische Gewichtung erlaubt uns, Chancen zu nutzen und das Risiko dennoch begrenzt zu halten. Da wir die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft übergeordnet als positiv beurteilen, halten wir an der strategischen Aktienquote fest. Eine expansive Fiskalpolitik in den großen Wirtschaftsräumen sowie Investitionen in Technologie, Energieinfrastruktur sowie Digitalisierung unterstützen. Viele Unternehmen profitieren von stabilen Margen, effizienteren Kostenstrukturen und einer weiterhin soliden Nachfrage in zentralen Bereichen. Daher ist von steigenden Unternehmensgewinnen auszugehen. Die teilweise negative Stimmungslage spiegelt daher weniger die aktuelle Ertragslage wider, sondern vielmehr die Unsicherheit über das makroökonomische und geopolitische Umfeld.
Im Anleihesegment gilt ein Großteil der höheren Inflationserwartungen bereits als eingepreist. Ein weiterer Renditeanstieg erscheint begrenzt, solange, wie von uns im Basisszenario erwartet, längerfristige Inflationserwartungen in der Nähe der Zentralbankzielraten bleiben und der Inflationsanstieg nur temporärer Natur bleibt. Das Anleiheportfolio liefert aktuell eine Rendite von 3,9 % und dürfte einen gewissen Absicherungscharakter im Fall eines schärferen konjunkturellen Rücksetzers bieten.
Alternative Investments bestehen zum einen aus liquiden Alternativen, die trotz Marktturbulenzen kaum Volatilität aufweisen und beständige Erträge generieren. Zum anderen sind wir in Gold investiert, das wir Anfang des Jahres erneut aufgestockt haben. Gold dürfte weiterhin von den Unsicherheiten profitieren. Der jüngste Rücksetzer lässt sich mit dem erhöhten Liquiditätsbedarf begründen und ist in Marktphasen wie diesen nicht ungewöhnlich. Die Anlageklasse Alternative Investments trägt besonders im aktuellen Umfeld zur Reduktion der Volatilität und der Kursverluste sowie zur Erhöhung der Portfoliostabilität bei.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Ihren/Ihre Betreuer*in.
Die verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden im folgenden Link ausführlich erklärt: Glossar.
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