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Bild mit den Flaggen von den USA, von Israel und vom Iran, mit schwarzen Linien dazwischen als Trennlinien

Eskalation im Iran und mögliche Marktszenarien

Die USA und Israel haben am Wochenende gezielt iranische Militäranlagen und Funktionäre des Regimes angegriffen, nachdem Verhandlungen über das Raketen- und Atomprogramm ohne Fortschritt blieben. Der Iran reagiert mit begrenzten Vergeltungsschlägen – ein schnelles Ende des Konfliktes gilt als unwahrscheinlich. Lesen Sie nachfolgend eine kurze Einschätzung zu den jüngsten Ereignissen aus dem BTV Asset Management.

Marktmeinung

Militärschlag gegen den Iran

Laut dem US-Präsidenten ist das Ziel dieser Militäroperation die Bedrohung durch das iranische Regime einzudämmen und vor allem gegen das umstrittene iranische Atomprogramm vorzugehen, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Angegriffen wurden daher vorwiegend militärische Einrichtungen, die Infrastruktur sowie hochrangige Funktionäre des Regimes. Die Tötung des Religionsführers und Staatsoberhauptes Chamenei sowie hochrangiger Militärs wird laut Expert*innen zu keinem Zusammenbruch des Regimes führen, da die Nachfolge Chameneis bereits als geregelt gilt. Der Iran hat bereits zu Vergeltungsschlägen angesetzt und neben Israel auch US-Einrichtungen in den Golfstaaten ins Auge gefasst. Die ersten Angriffswellen des Irans waren bisher allerdings überschaubar. Ein schnelles Ende des Konfliktes ist eher unwahrscheinlich, da davon ausgegangen werden kann, dass die USA und Israel die Bedrohung durch den Iran weiter eindämmen wollen. Außerdem haben sowohl die USA, als auch Israel großes Interesse an einem Regimewechsel.

Marktreaktion bisher überschaubar

Aufgrund der gestiegenen Militärpräsenz der USA im Nahen Osten, wurde ein Militärschlag gegen den Iran zuletzt immer wahrscheinlicher. Bereits in der vergangenen Woche zeigte sich die zunehmende Unruhe vor allem am Rohstoffmarkt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg in der vergangenen Woche über 70 US-Dollar und sprang Montagmorgen kurzfristig über 80 US-Dollar. Auch Gold profitiert als sicherer Hafen von der Eskalation des Konfliktes und der Preis für eine Feinunze stieg auf über 5.400 US-Dollar an. Höhere Inflationserwartungen ließen die Renditen europäischer und US-amerikanischer Staatsanleihen etwas ansteigen. Europäische Börsen eröffneten heute Früh im Minus und auch die US-Futures zeigen einen negativen Start in den Tag an – die Verluste halten sich bisher allerdings in Grenzen.

Implikationen für Weltwirtschaft

Isoliert betrachtet hat die Konjunkturentwicklung im Iran für die Weltwirtschaft nur eine geringe Bedeutung. Durch eine mögliche Verknappung des Ölangebots, kann der Krieg im Nahen Osten dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Auch wenn der Iran mit Rohölexporten von etwa 1,6 Mio. Barrel pro Tag nur rund 1,6 % zum globalen Ölangebot beiträgt, ist die Blockade der Straße von Hormus für die globale Ölversorgung höchst relevant. Denn täglich werden etwa 20 % des weltweiten Ölangebots über diese Meerenge verschifft. Die Sorge besteht darin, dass eine Blockade der Straße von Hormus das globale Ölangebot massiv reduzieren und den Ölpreis stark steigen lassen könnte. Dies hätte zur Folge, dass die globale Inflation ansteigt, das Wirtschaftswachstum gebremst wird und mögliche Zinssenkungen durch die US-Notenbank deutlich unwahrscheinlicher werden.

Verschiedene Szenarien für den Ölmarkt

Durch den Krieg im Nahen Osten ist die Straße von Hormus aktuell kaum passierbar. Zwar ist der Schiffsverkehr prinzipiell möglich, allerdings besteht das Risiko eines Angriffs, weshalb Reedereien bereits das temporäre Aussetzen der Schiffsroute angekündigt haben. Drei mögliche Szenarien zeigen, was die Verknappung des Angebots für den Ölmarkt bedeuten würde.

  • Szenario 1 – Kurzfristige partielle Blockade der Straße von Hormus: Bereits nach zwei Wochen kann die Straße von Hormus wieder uneingeschränkt passiert werden. Dies könnte in Kooperation mit den Golfstaaten als Vorbereitung für eine Waffenruhe vereinbart werden. Der Ölpreis steigt nur kurzfristig über 80 US-Dollar pro Barrel und geht anschließend wieder auf 70 US-Dollar zurück.
  • Szenario 2 – Partielle Blockade dauert länger an und Zerstörung von Handelsschiffen intensiviert sich: Die Blockade der Meerenge dauert an und passierende Handelsschiffe sind einer hohen Bedrohung ausgesetzt. Der Angriff auf Öltanker setzt sich fort und Versicherungsgesellschaften stellen ihre Leistungen zunehmend ein. Der Ölpreis könnte kurzfristig bis auf 100 US-Dollar pro Barrel ansteigen, selbst wenn die OPEC+ ihre Fördermenge ab April wie vereinbart um zumindest 200.000 Barrel pro Tag anhebt. Es kommt zu einem temporären Inflationsanstieg, der zeitlich begrenzt auf die globale Wirtschaftsleistung drückt.
  • Szenario 3 – Vollständige Blockade: Der Iran erzwingt eine vollständige Blockade der Straße von Hormus durch Intensivierung der Militäroperationen. Es wird zu gefährlich die Meerenge länger zu passieren. Die Blockade dauert mehrere Monate an und der OPEC+ ist es nicht mehr möglich, die Produktionseinbußen aufzufangen. Der Ölpreis steigt auf deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel an. Es kommt zu einem starken Anstieg der Inflation und auch eine globale Rezession kann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Laut der aktuellen Markteinschätzung ist das 3. Szenario als Extremszenario zu sehen.

Die Bedeutung für Ihr Portfolio

In turbulenten Zeiten wie diesen ist ein breit aufgestelltes Portfolio wichtiger denn je. Aus diesem Grund sind wir in den BTV Asset Management Mandaten nicht nur zwischen den Anlageklassen Aktien, Anleihen und Alternativen, sondern auch innerhalb der Anlageklassen diversifiziert. Eine hohe Gewichtung von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen guter Bonität auf der Anleiheseite gelten hier weiterhin als Gegengewicht zum Aktieninvestment. Alternative Investments bestehen zum einen aus liquiden Alternativen, die trotz Marktturbulenzen kaum Volatilität aufweisen und beständige Erträge generieren. Zum anderen sind wir in Gold investiert, das wir Anfang des Jahres erneut aufgestockt haben. Gold dürfte weiterhin von den Unsicherheiten profitieren. Die Anlageklasse Alternative trägt besonders im aktuellen Umfeld zur Reduktion der Volatilität und der Kursverluste sowie zur Erhöhung der Portfoliostabilität bei.

Wir werden die Entwicklungen im Nahen Osten genau beobachten und die Allokationsstrategie dementsprechend anpassen. In der aktuellen Situation gilt es aber, überstürzte Reaktionen zu vermeiden und nicht zu einem Zeitpunkt zu verkaufen, wenn der Marktstress besonders hoch ist. Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer bisherigen Positionierung in der Vermögensverwaltung fest.

  • Die in diesem Beitrag verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden im folgenden Link ausführlich erklärt: Glossar.

    Diese Marketing-/Werbemitteilung stellt keine Anlageberatung, kein Angebot zur Zeichnung bzw. zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ersetzt auch keine Anlageberatung. Beachten Sie bitte, dass ein Investment in Finanzinstrumente mit Risiken, wie Kursschwankungen oder Vermögensverlusten, verbunden sein kann. Diversifikation bietet keine Garantie gegen Verluste. Die Beiträge in dieser Publikation dienen lediglich der Information. Die BTV prüft ihr Informationsangebot sorgfältig. Beachten Sie bitte dennoch, dass Einschätzungen und Bewertungen die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt der Erstellung bzw. der Ausarbeitung reflektieren und für die Richtigkeit und den Eintritt eines bestimmten Erfolges keine Gewähr übernommen wird. Durch neue Entwicklungen oder kurzfristige Änderungen können die Informationen bereits überholt sein. Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Bei Prognosen und Schätzungen über die zukünftige Entwicklung handelt es sich lediglich um unverbindliche Werte. Von diesen kann nicht auf die tatsächliche künftige Entwicklung geschlossen werden, weil zukünftige Entwicklungen des Kapitalmarktes und der Konjunktur nicht im Voraus bestimmbar sind.