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Für Sie gelesen: Factfulness

Factfulness – Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

Angesichts der derzeit oftmals erdrückenden Nachrichtenlage empfiehlt sich die Lektüre von Hans Roslings Buch „Factfulness – Wie wir lernen, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist“. Darin geht es um nichts weniger als um unsere Welt, und darum, sie zu verstehen.

Der 2017 verstorbene Mediziner Hans Rosling erforschte in jungen Jahren Krankheiten in schwer zugänglichen Gebieten Afrikas. Daraus ergaben sich Beratertätigkeiten für die WHO, die UNICEF und mehrere Hilfsorganisationen. Als Professor für internationale Gesundheit in Stockholm widmete er sich schließlich der Aufbereitung und Kommunikation von Entwicklungsthemen.

 

In seinem Buch „Factfulness – Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ behandelt er Themen wie Bildung, Armut, Bevölkerungswachstum und Klimawandel und nimmt unsere Weltsicht unter die Lupe. Hierzu hat Hans Rosling unter anderem mehreren Tausend Menschen in vierzehn Ländern einen kurzen, aber aufschlussreichen Selbsttest vorgelegt.

Testen Sie sich: Wie sehen Sie die Welt?

Falls Sie Roslings Selbsttest noch nicht kennen, laden wir Sie ein, diesen zu machen, bevor Sie weiterlesen.

Zum Test

 

Wir sehen die Welt zu düster und denken in Extremen

Rosling überraschte in seinen Vorlesungen vor Studenten und Interessierten, dass diese die Welt oft viel düsterer sehen, als mithilfe von objektiven Daten belegbar ist. Zum Beispiel beantworteten in Schweden und Norwegen nur 25 % der Testteilnehmer die Frage nach dem in Armut lebenden Anteil der Weltbevölkerung richtig, in Großbritannien 9 % und in Deutschland gar nur 6 %. Selbst Fachleute wie Universitätsprofessoren, Investmentbanker oder Journalisten lagen daneben.

 

Sollten Sie also erschrocken sein darüber, wie wenige Treffer Sie in diesem Test haben, können wir Sie beruhigen: Sie befinden sich in bester Gesellschaft. Kaum jemand, selbst Expert*innen, konnten den Großteil der Fragen korrekt beantworten. Aber wie kommt es dazu?

 

Woher kommen unsere Fehleinschätzungen?

Rosling identifizierte zehn verschiedene menschliche „Instinkte“ als Erklärungsansätze: etwa den der „Kluft“, der „Negativität“, der „Angst“, des „Schicksals“ oder der „Schuldzuweisung“. Sie alle haben sich im Laufe der Evolution in uns herausgebildet und haben dazu beigetragen, dass wir uns in einer feindlichen Umwelt zurechtfinden und darin überleben konnten. Diese Instinkte sind heute noch wichtig, führen aber immer wieder zu einer verzerrten Weltsicht.

 

Dies kann beispielhaft am Instinkt der „Kluft“ erklärt werden: Wir tendieren dazu, die Welt in Extreme zu unterteilen, in Arm und Reich, in Entwicklungsländer und entwickelte Länder. Damit begehen wir aber einen schweren, systematischen Fehler, denn die Welt lässt sich nun einmal nicht so leicht in hell und dunkel einteilen. Die Wahrheit liegt meist in den Graubereichen dazwischen.

 

So gab es auf die letzten 40 Jahre betrachtet viele extrem positive Entwicklungen, zum Beispiel haben sich in den letzten Jahrzehnten viele Menschen in vielen Staaten aus extremer Armut befreit. Faktenbasiert lässt sich also festhalten, dass viele Menschen auf der Welt heute besser leben als ihre Elterngeneration.

Hans Rosling indentifizierte zehn Instinkte, die unsere Weltsicht verzerren. Der Instinkt der …

1.) „Kluft“: Die Wahrheit liegt oft nicht in den Extremen, sondern in der Mitte.
2.) „Negativität“: Schlechte Nachrichten erhalten mehr Aufmerksamkeit als gute Nachrichten.
3.) „geraden Linie“: Nicht alle Entwicklungen verlaufen linear in die Zukunft.
4.) „Angst“: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Es gilt, die Risiken realistisch einzuschätzen.
5.) „Dimension“: Setzen Sie die Dinge in Relation.
6.) „Verallgemeinerung“: Stellen Sie sich stets die Frage, für welche Kategorie eine solche zulässig ist?
7.) „Schicksals“: Auch langsame Veränderungen können zu einem durchgreifenden Wandel führen.
8.) „einzigen Perspektive“: Herausforderungen sollten stets von mehreren Seiten betrachtet werden.
9.) „Schuldzuweisung“: Suchen Sie nach Ursachen, nicht nach Sündenböcken.
10.) „Dringlichkeit“: Nur selten ist etwas wirklich dringlich. Verlangen Sie Fakten und Szenarien.

Was wir aus diesem Buch für das Hier und Jetzt mitnehmen können

Derzeit blicken wir alle sorgenvoll auf die aktuellen Geschehnisse: Der Angriff Russlands auf die Ukraine stellt medial alles andere in den Schatten, sogar die Corona Pandemie verkommt daneben zur Randnotiz. Gerade in Zeiten wie jetzt, in denen schlechte Nachrichten auf uns eintrommeln, lohnt sich die Lektüre dieses Buchs. Natürlich kann es die Schwere dessen, was nur wenige Autostunden von uns entfernt gerade passiert, in keinster Weise lindern. Roslings Betrachtungen erlauben uns aber, die aktuell beängstigenden Entwicklungen längerfristig besser einzuordnen. Sein Buch hilft, zu erkennen, dass es neben den in der täglichen Berichterstattung vorherrschenden Themen weltweit auch viele Entwicklungen gibt, die nicht in den Nachrichten und in politischen Stellungnahmen vorkommen und auch in dunkleren Zeiten auf lange Sicht wieder Anlass zur Hoffnung geben.

 

Neben der Lektüre des Buches empfehlen wir Ihnen auch die animierten Grafiken auf gapminder.org, mit denen Sie zum Beispiel die Entwicklung vieler maßgebender Indikatoren der letzten 50 Jahren im Zeitraffer ablaufen lassen können.